Wie kann man Schauspielschulen vergleichen?


Wer an einer Schauspielausbildung interessiert ist, steht immer vor der großen Frage:


Welche Schule ist für mich die Richtige?

Jede Schule behauptet natürlich von sich selbst, dass sie es ist. Denn wäre eine Schule nicht von sich und Ihrem Konzept überzeugt, würde sie es kaum an die große Glocke hängen. Oder doch? Natürlich würde sie! Das nennt man Werbung.

Und wir alle wissen, dass gleiche Produkte oft unterschiedliche Qualitäten besitzen.

Nach welchen Aspekten wählt man also aus?


Staatliche/Städtische oder Private Schulen?

Wir glauben, das kann man generell gar nicht beantworten. Es gibt Vor- und Nachteile auf beiden Seiten.
Private Schulen kosten nun mal Geld, öffentliche werden vom Staat bzw. der Stadt finanziert.
Die Staatlichen/Städtischen nehmen aber pro Jahr teilweise nur zehn Studenten auf. Einer von denen zu sein bedeutet nicht nur Talent und Begabung zu haben, sondern auch viel Glück.
Die Wahrscheinlichkeit an einer privaten Schule genommen zu werden ist größer, da es wesentlich mehr davon gibt. Und die meisten Schulen nehmen auch mehr Schüler auf.

 

Unser Tipp: Man sollte die Schule besuchen, die einen nicht nur aufnimmt, sondern persönlich auch zusagt: Atmosphäre, Umfeld, der Gesamteindruck der Ausbildung, etc. Die eigene Meinung zählt. Denn das Ziel aller Schulen ist das gleiche.
An einer Schule, an der man sich nicht wohl fühlt, wird man keine guten Ergebnisse erzielen können.

Egal, ob öffentlich oder privat.

 

Staatl. anerkannt - Staatl. genehmigt - Ergänzungsschule - BaföG

Bleiben wir also mal bei den privaten Schauspielschulen...
Wir wollen jetzt keine Paragraphen auflisten. Eher liegt uns daran, die o.g. Begrifflichkeiten zu verdeutlichen. Diese Informationen beziehen sich auf die Richtlinien der Regierung von Oberbayern. In anderen Bezirken und Bundesländern sieht es aber ähnlich aus. Doch das Schulwesen liegt immer in der Verantwortung eines jeden Bundeslandes.
Per Gesetz werden aber z.B. in Bayern seit 2004 keine Schulen mehr "staatl. genehmigt". Für neue Schulen besteht nur noch die Möglichkeit, sich als Ergänzungsschule führen zu lassen. Alle miteinander sind wiederum als Berufsfachschulen zu bezeichnen.
Das sogenannte BaföG ist nicht davon abhängig, ob eine Ausbildungsstätte auch Berufsfachschule ist.
Die Anerkennung von BaföG regelt das BaföG-Amt. Dieses prüft die Schule auf Ihre Voraussetzungen hin. Bei neuen Schulen kann das bis zu 2 Jahren dauern. Soll heißen: Ob eine private Schule als Berufsfachschule geführt, BaföG-anerkannt ist oder nicht, hat erst mal gar nichts mit der Qualität der Ausbildung zu tun.
TheaterRaum München ist nicht BaföG-annerkannt, und der Grund dafür ist ganz simpel: Wir wollen nicht! Auch wenn wir dadurch den ein oder andern Schüler nicht bekommen, weil er denkt, er sei davon abhängig.

 

Schulgeld

Selbstverständlich ist die Höhe der Ausbildungskosten an privaten Schulen immer wieder ein wichtiges Entscheidungskriterium. Aber auch hier sollte man nicht einfach die Preise nebeneinanderstellen und sich für die billigste Schule entscheiden!
TheaterRaum München erhebt eine Studiengebühr von 399,- EUR pro Monat.

Doch wenn man genau hinsieht, gehören wir mit zu den günstigsten Ausbildungsstätten. Wir bezahlen unsere Studierenden für ihre Auftritte während der Ausbildung. Praktika bewirken Rabatte. Wir haben ein Förder-Abo. Ohne zu übertreiben, kann man sich bei uns das Schulgeld im Schnitt auf 320,- EUR und niedriger senken.

 

Qualität der Ausbildung

Grundsätzlich sollte man davon ausgehen können, dass alle Schauspielschulen das gleiche Ziel haben: Schauspielerinnen und Schauspieler auszubilden. Vielleicht auch noch Regisseurinnen und Regisseure.
Auf Webseiten und in Werbeprospekten wird soviel geschrieben, das man kaum noch durchblicken kann. Jede Schule ist sicher bestrebt, ihr Bestes zu geben. Aber bestehen die Voraussetzungen für das Beste? Worauf sollte man achten?

Hier ein paar Hinweise:

 

Die Aufnahmeprüfung

Gibt es etwa keine Aufnahmeprüfung?

Finger weg von Schulen, die ihre Schüler ohne jegliche Prüfung aufnehmen! Leider gibt es immer wieder solche Fälle. Hier besteht die große Gefahr, dass man brav eine Probezeit lang sein Schulgeld entrichten darf und das wars dann...

Es gibt sogar Einrichtungen, die einem ohne dabei rot zu werden auf Anfrage und ohne jegliche Überprüfung der Person gleich den Ausbildungsvertrag zuschicken. So etwas ist unseriös!


Wer ist anwesend?

Es sollten mindestens drei Dozenten bei einer Aufnahmeprüfung anwesend sein. Dann kann im Zweifelsfall eine "Mehrheit" entscheiden.

 

Wieviele Prüflinge werden in welcher Zeit "durchgeschleust"?

An Privatschulen finden die Aufnahmeprüfungen in der Regel an einem Tag statt. Man sollte sich zuvor auch immer über die Menge an Prüflingen erkundigen. Nicht die Masse zählt hier!
Einige Schulen prüfen nur einmal oder wenige Male im Jahr. Hier dürfte die Zahl der Anwärter pro Termin alleine schon deswegen größer sein. Andere Schulen prüfen öfter (TheaterRaum München prüft jeden Monat mit max. 4 Prüflingen), dadurch verteilt sich die Menge an Bewerbern. Wenige Anwärter pro Aufnahmeprüfung bedeutet mehr Zeit für den Einzelnen. Beurteilt selber, ob man sich bei der Aufnahmeprüfung viel Zeit für Euch genommen hat.

 

Was wird geprüft?

Darf man nur seine 2 bis 3 Monologe aufsagen und auf das Ergebnis warten oder werden die Bereiche Gesang, Bewegung und Improvisation ebenfalls unter die Lupe genommen?

 

Der Stundenplan

Wieviele Stunden beinhaltet dieser pro Schüler und Woche?

Üblich sind mindestens (!) 25 Unterrichtseinheiten (á 45 Min) pro Woche.

 

Wieviele Schüler werden in welchen Fächern in welcher Zeit zusammen unterrichtet?

Teilen sich etwa zehn Schüler den Gesangsunterricht? Man kann sich ganz schnell ausrechnen, wie effektiv dieser Unterricht dann wohl sein wird bzw. wieviel vom Unterricht man nur "zuhören" darf.

Hier ist ein Gespräch mit aktiven Schülern sinnvoll.

 

Gibt es eine Rahmenunterrichtszeit?

Wechselt der Unterricht an verschiedenen Tagen von morgens auf abends?

Das könnte wichtig für eventuell nötige Nebenjobs sein.

Die Dozenten

Wieviele "regelmäßige" Lehrer gibt es insgesamt?

Übernimmt eine Person mehr als 30% des Gesamtunterrichts?
Denkt daran, das es wichtig ist, mit soviel verschiedenen Leuten wie möglich zu arbeiten. Ein Einzelner kann nicht alles. Und wenn, ist es einseitig. Auf wieviele Schüler kommen wieviele "regelmäßige" Lehrer? (Also Gastdozenten, die vielleicht einmal im Jahr auftauchen, kommen zwar vielleicht regelmäßig einmal im Jahr, aber die sind nicht gemeint...)

 

Welchen Hintergrund haben die Lehrer?

Sind Informationen zum künstlerischen Werdegang bis heute zugänglich? Stehen die Lehrer wirklich selber noch im Beruf (wie oft gerne behauptet wird), oder sind sie doch hauptsächlich Lehrer? Das kann man herausfinden, indem man den Stundenplan studiert. Ist ein Lehrer stark eingesetzt, wird er wohl kaum "nebenbei" aktiv der Schauspielerrei nachgehen können. Wo kann man die Lehrer vielleicht selber im Theater oder TV begutachten?

 

In diversen Foren wird behauptet, dass nur Lehrer, die auch auf der Website der ZBF zu finden sind gute Lehrer sind. Das ist falsch! Auf der Website der ZBF findet man zuerst einmal Schauspieler/innen. Das sagt noch nichts über ihre Fähigkeiten als Lehrer aus.

Nebenjob

Kann man während der Ausbildung Geld verdienen?
Die Frage ist nicht nur, ob Nebenjobs grundsätzlich aufgrund des Stundenplan leicht zu finden sind? Hilft die Schule? Wie?
Kann man an der Schule Geld verdienen? (TheaterRaum München zahlt Gagen für die Mitwirkung in Projekten, ebenso für Kassendienste, technische Abenddienste, Assistenzen etc.)
Was hat das mit der Qualität der Ausbildung zu tun?
Je leichter es einem gemacht wird, sich auf seine Ausbildung zu konzentrieren, umso besser werden die Ergebnisse sein.

Öffentliche Aufführungen

Kann man als Schüler sein Können der Öffentlichkeit präsentieren?

Wie oft bekommt man Gelegenheit vor "echtem Publikum" zu spielen, also nicht immer nur vor den Lehrern, den eigenen Mitschülern oder den Eltern? Publikumsresonanz ist genauso viel Wert wie ein Lehrer-Feedback.

 

Hat die Schule einen eigenen Aufführungsort?

Handelt es sich um eine wirklich eingerichtete Bühne oder um zwei aufgestellte Podeste mit drei Scheinwerfern? Vermittelt es den Charakter von Professionalität? Wieviele Plätze? Welche Kooperationen hat die Schule mit Theatern?

 

Ferien

Was haben die Ferien mit der Qualität der Ausbildung zu tun? Erst mal nichts...

Manche Schulen richten sich nicht nach den Ferien des jeweiligen Bundeslandes.
Man sollte nachrechnen, ob durch eine abweichende Regelung mehr Freizeit vergeben wird, als üblich. Sicher, der eine mag sich freuen, aber: Er bezahlt diese Zeit u.U. ziemlich teuer. Weniger Ferien heißt mehr Ausbildung!

 

 

So, und da wir von TheaterRaum München den Vergleich mit anderen nicht scheuen, hier die Links zu den anderen Münchner Schulen (in alphabetischer Reihenfolge):

Jemanden vergessen? Keine Absicht, bitte Mail an uns. Danke!
Schulen im deutschsprachigen Raum findet man auf www.spielsite.de.